Sesshin – Was heisst das?

In Zen Kreisen wird das Wort Sesshin benutzt um eine gewisse Zeitspanne zu bezeichnen, während der Zazen (Meditation im Sitzen) die Hauptbetätigung der Teilnehmer ist. Ein Sesshin kann zwischen 1 und 10 Tage dauern, und die Zeit, während der Zazen praktiziert wird an einem Sesshin Tag, liegt zwischen 8 und 16 Stunden.

Das Wort Sesshin bedeutet wörtlich: Se = berühren, in Kontakt kommen; Shin = unser Herz-Geist, unser ursprüngliches, wahres Wesen. So heisst Sesshin also die grösstmögliche Anstrengung zu machen um mit unserem innersten wahren Sein in engen Kontakt zu kommen, bzw. uns dessen gewahr zu werden. Dieses wahre Wesen, unser Herz-Geist ist immer schon anwesend in uns. Aus ihm heraus sind wir lebendig, aus ihm heraus schlägt unser Herz und funktioniert unsere Leber. Und aus ihm heraus nehmen unsere Sinne wahr, und aus ihm heraus strömt unser Mitgefühl. Diese lebendigen Fähigkeiten halten wir normalerweise für so natürlich und selbstverständlich, dass wir sie ignorieren. Wir sind viel mehr daran interessiert Was wir wahrnehmen, und ob wir es mögen oder nicht mögen. Im alltäglichen Gefecht kämpfen wir darum zu bekommen was wir mögen, und zu vermeiden was wir nicht mögen. Darüber vergessen wir unser innerstes Sein. Sind wir aber fähig zu diesem inneren Sein heimzukehren, dann sind alle Sorgen vergangen. Und wir können dem Alltag erneut begegnen – erfrischt, erneuert und mit unerschütterlichem Selbstvertrauen. Das heisst Vertrauen in unser wahres Wesen, welches nichts zu tun hat mit dem, was wir in der Schule, oder in unserer beruflichen Laufbahn gelernt haben.

Um die intensive Faszination mit dem Spiel unseres Anhaftens und Ablehnens zu überwinden braucht es strenge Disziplin. Darum sind Sesshin immer streng und fordern grosse Disziplin. Das Üben von Zazen ist nichts anderes als die Anstrengung, die nötig ist, um uns zu lösen von unserem verstrickten Geist, der um die Qualität der Umstände kreist, in denen wir leben, und der versucht Kontrolle über sie zu erlangen zu unserem Vorteil, immer und immer wieder. Wenn wir zurückkehren zu unserem wahren Wesen lernen wir Dinge und Umstände zu akzeptieren wie sie sind. Wir lernen, nicht zu kämpfen gegen das was ist, sondern in Harmonie mit dem Universum und uns selbst zu leben. Zazen heisst unsere Gedanken zu ignorieren, und unserem Atem zu folgen, tief in unser Unbewusstsein. Dort unten, gut geschützt vor unseren Versuchen alles bewusst  kontrollieren zu wollen, liegt der Schatz, die Quelle, von der unsere Leben hervor fliessen. In sich selbst ist diese immerwährend, heiter und scheinbar leer  –  aber voll von Möglichkeiten.

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